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  • 20. Dezember 202120. Dezember 2021

„Wandern für die Andern”

Schmallenberg/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als im Juli die Flutkatastrophe über NRW und Rheinland-Pfalz hereinbrach, war man sich auch am Städtischen Gymnasium Schmallenberg schnell einig: Da müssen wir helfen!
Nach den Sommerferien setzte sich daher die Schülervertretung des Gymnasiums zusammen, um über Möglichkeiten zu beraten, wie insbesondere dem schwer betroffenen Ahrtal geholfen werden könne. Da man in den letzten Jahren bereits gute Erfahrungen mit der Aktion „Wandern für die Andern“ gemacht hatte, stellte ein Kernteam der Schülervertretung in kurzer Zeit einen Spendenlauf auf die Beine.
Am 04.11.21 machten sich daher 500 Schülerinnen und Schüler sowie 40 Lehrkräfte, gesponsert von der eigenen Familie, dem Freundeskreis oder regionalen Betrieben, auf eine 13 km lange Wanderung. Dabei ging es von der Schule in der Obringhauser Straße entlang des Flugplatzes Rennefeld weiter in Richtung Werpe, Harbecke und Fleckenberg.

In den darauffolgenden Wochen wurden von den Schülerinnen und Schülern die zuvor zugesicherten Sponsorengelder eingesammelt und in der Schule abgegeben. Bei der späteren Zählung durch die Schülervertretung wurde schnell klar, dass die Erwartungen zur Spendenhöhe bei Weitem übertroffen wurden: Allein die Klasse 5b konnte 3303 € an Spendengeldern sammeln. Insgesamt wurden durch die Aktion „Wandern für die Andern“ stolze 25.627,07 € gesammelt. Da die Spendensumme ausgesprochen hoch ausfiel, entschied sich die Schülervertretung zusammen mit der Schulleitung dazu, insgesamt 25.000 € für die betroffenen Schulen im Ahrtal zu spenden und den Restbetrag in Höhe von 627,07 € dem Verein „Lichtblick Nepal“ zukommen zu lassen. Der Verein „Lichtblick Nepal“ wird seit 2016 (Patenschaftserklärung für die Shree Chandenee Secondary School) vom Städtischen Gymnasium Schmallenberg unterstützt, u. a. durch die Einnahmen des schulinternen Fußballturniers, das in diesem Jahr aber erneut aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens ausfallen musste.

Am 15.12.21 machten sich schließlich vier Mitglieder der Schülervertretung sowie zwei SV-Lehrer auf den Weg ins Ahrtal, um die Spenden vor Ort symbolisch mit einem Scheck an die Schulen zu übergeben. Schon bei der Anfahrt wurde den Beteiligten schnell klar, wie massiv die Flutkatastrophe die Region getroffen hatte. Noch immer lag an den verdreckten Straßen Sperrmüll und stellenweise konnte man den Wasserstand an der Schmutzkante der Hauswände ablesen.

Spendenübergabe an das Are-Gymnasiunm (v.l.: SV-Lehrer Jonas Ivo & Andrea Koke-Bayram, SV-Schüler Moritz Wolf, Hannes Tigges, Amy Hochstein, Nick Didam, SV des Are-Gymnasiums mit dem 2. Stellvertretendem Schulleiter Marco Müller)

Die erste Station war eine Gesamtschule in Remagen, in der aktuell ein Teil der Schülerinnen und Schüler des stark betroffenen Are-Gymnasiums untergekommen waren. Die Verwaltung des Are-Gymnasium arbeitete in extra aufgestellten Containern auf dem Schulhof der Gesamtschule. Bei der Spendenübergabe zeigte sich der stellvertretende Schulleiter des Are-Gymnasiums, Marco Müller, von der Höhe der erwanderten Spendengelder beeindruckt: „Mit 12.500 € habt ihr eine der höchsten Einzelspenden gesammelt, die wir erhalten haben.“ Das Geld werde direkt den Schülerinnen und Schülern zugutekommen und nicht für materielle Anschaffungen verwendet. Es sei wichtig, den Schülerinnen und Schülern in Zukunft wieder ein geregeltes und normales Schulleben zu ermöglichen. Denn in der Woche vor Weihnachten soll der Umzug des gesamten Are-Gymnasiums in ein eigens errichtetes Container-Dorf erfolgen. So sollen in Zukunft z. B. Exkursionen und andere Veranstaltungen für die Schulgemeinschaft finanziert werden.

Nach der Spendenübergabe konnte noch das stark betroffene ursprüngliche Schulgebäude des Are-Gymnasiums im Zentrum von Bad Neunahr-Ahrweiler mit Begleitung des engagierten Hausmeisters besichtigt werden. Hier zeigte sich dann das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe: Während im Erdgeschoss die Entkernung der Räume schon weit vorgeschritten war, wurde im Keller der Boden noch von einem stinkenden Gemisch aus modrigem Matsch und Heizöl befreit sowie der Estrich aufgestemmt. Sämtlicher Bauschutt wurde auf dem ehemaligen Schulhof des Gymnasiums für den Abtransport gelagert. Der Hausmeister erklärte, dass der Schein im Erdgeschoss aber trügen würde: Sämtliche Elektronik- und Versorgungsleitungen wurden beschädigt. Noch ist gar nicht klar, wie umfassend auch im Obergeschoss renoviert werden muss. Zudem setzt nun auch die Kälte dem Gebäude zu, denn ohne Heizung wären mittlerweile viele Türen und Fenster des Gebäudes verzogen und müssten ebenfalls ausgetauscht werden. Der Zeitplan der Instandsetzung konnte der Hausmeister nur grob umreißen: „Wir hoffen, dass wir mit allen Aufräumarbeiten sowie der Erstellung der Gutachten bis Ende 2022 fertig sind. Dann müssen alle Baumaßnahmen aber erst noch ausgeschrieben und an die Firmen vergeben werden, bevor mit der Renovierung begonnen werden kann. Die Baumaßnahmen selbst werden dann wohl zwei, eher drei Jahre laufen. Wenn es ganz schlecht laufen sollte, könnte es sein, dass die Fünftklässler, die diesen Sommer eingeschult wurden, bis zur 10. Klasse noch nie in ihrer eigentlichen Schule unterrichtet wurden.“ Dennoch zeigte sich der Hausmeister optimistisch und meinte, durch die Katastrophe gelernt zu haben, sich an den kleinen Dingen des Lebens nun noch mehr erfreuen zu können.

Im Anschluss an diese beeindruckenden Einblicke machten sich die Schülervertreter des Gymnasiums Schmallenberg mit ihren SV-Lehrern auf dem Weg zum nahe gelegenen Peter-Joerres-Gymnasium, welches ebenso von der Flut betroffen war.

Im Hinblick auf die Reaktionen nach der Flutkatastrophe waren sich aber beide Schulen einig: Die in den letzten Wochen erfahrene Hilfe war unbeschreiblich. Materiellen Schaden könne man zwar ersetzen, aber gerade der Zusammenhalt der Menschen vor Ort und die Unterstützung aus ganz Deutschland war so nicht erwartet worden. Auch die Schülervertretung war sich am Ende des Tages einig: „Die Spendengelder sind bei den beiden Gymnasien sehr gut angelegt. Wie werden in Kontakt bleiben“, so Amy Hochstein.

Das Städt. Gymnasium Schmallenberg und die Schülervertretung bedankt sich, auch im Namen des Are-Gymnasiums und des Peter-Joerres Gymnasiums in Bad Neuenahr-Ahrweiler, bei allen Spenderinnen und Spendern.